Oberstleutnant Andreas Nederberg ist scheidender Bataillonskommandeur beim Försvarsmedicincentrum (Zentrum für Verteidigungsmedizin, FöMedC) und arbeitet nun im Operationskommando. Im September war er stellvertretender Übungsleiter für CAMO24, eine internationale zivil-militärische NATO-Übung, die von mehreren Ministern besucht wurde und Patientenströme bei Massenanfallsereignissen testet. In FSN Perspektiv teilt er seine Erfahrungen und Schlussfolgerungen aus der Übung.

Zivil-militärische Zusammenarbeit ist entscheidend für das Krisenmanagement. Sie schafft die Voraussetzungen dafür, dass ein Staat seine Kapazitäten koordinieren kann, um Katastrophen wirksam zu begegnen, die Zivilgesellschaft zu unterstützen und einen Gegner davon abzuschrecken, zivile oder militärische Unruhen zu verursachen. Sie dient auch der Planung und Vorbereitung für den Fall, dass der Staat in einen Krieg gerät.

Konflikte bringen komplexe gesellschaftliche Herausforderungen mit sich, die häufig weit über das Schlachtfeld hinausgehen. Selbst wenn sie in der unmittelbaren Nachbarschaft oder in angrenzenden Ländern stattfinden, untergraben sie die Stabilität – etwa durch Flüchtlingsströme. Dies beeinträchtigt unter anderem die Wirtschaft und Infrastruktur und verursacht soziale Verwerfungen. Durch gemeinsame Anstrengungen über mehrere Gesellschaftssektoren und Länder hinweg lässt sich auf diese Herausforderungen vorbereiten. Dies schafft Vertrauen und Resilienz und verhindert die Ausbreitung des Gegenteils.

Der Beitritt zur NATO wird häufig als „Whole-of-Society-Ansatz" beschrieben – mit anderen Worten: Es ist Schweden, das der NATO beigetreten ist, nicht nur die Schwedischen Streitkräfte (Försvarsmakten). Dies gilt in besonderem Maße für den Umgang mit großen Strömen alliierter Patienten, etwa aus Finnland und dem Baltikum, die voraussichtlich durch Schweden und weiter westwärts nach Europa transitiert werden sollen. Dies schließt sowohl sektorverantwortliche als auch regionale Behörden sowie Wirtschaftssektoren ein.

Als Teil dieser Arbeit hat Schweden eine aktive Rolle in der NATO-Übung Casualty Move (CAMO) 2024 gespielt – einer szenariogesteuerten Stabsübung, die vom 9. bis 13. September 2024 in der Führungsübungsanlage des Ledningsregementet (Führungsregiment) in Enköping (Mittelschweden) durchgeführt wurde. Obwohl die Schwedischen Streitkräfte als Gastgeber fungierten, wurde die Übung vom Multinational Medical Coordination Centre – Europe (MMCC-E) geplant und durchgeführt. Die Übung versammelte 100 Übungsteilnehmer sowie eine Übungsleitung mit weiteren 50 Personen.

Teilnehmer aus 16 Nationen bildeten nationale zivil-militärische Zellen, um die als „Spielkarten" präsentierten Herausforderungen zu bewältigen. Die Lösungen lagen meist darin, verfügbare Prozesse und Kapazitäten – militärisch oder zivil – zu inventarisieren oder sich an benachbarte Länder zu wenden. Die supranationale EU und die zwischenstaatliche NATO fungierten dabei im Laufe der Zeit als Rahmen zur Schaffung zivil-militärischer Interoperabilität.

CAMO ist kein isoliertes Ereignis, sondern eine Übungsserie, die 2020 in Deutschland begann. Seitdem waren Ungarn, Estland und Schweden Gastgeber; im kommenden Jahr wird die Übung erneut in Deutschland durchgeführt. Im April 2024 unterzeichnete die NATO die „Patient Flow Management Guideline", die beschreibt, was erreicht werden soll. Die Übungsserie zielt darauf ab, Wissen, Erfahrung und Bewusstsein darüber zu schaffen, wie man gemeinsam mit Mitgliedstaaten, der EU und anderen Organisationen vorankommt.

In der schwedischen nationalen Zelle während CAMO24 nahmen Vertreter der Schwedischen Streitkräfte (Generalläkaravdelningen – Generalärztliche Abteilung, Operationskommando und Rikshemvärnsstaben – Generalstab des Heimwehrs) teil. Darüber hinaus waren zivile Vertreter der Zivilschutz- und Krisenvorsorgebehörde (Myndigheten för Samhällsskydd och beredskap, MSB), des Nationalen Gesundheits- und Wohlfahrtsamts (Socialstyrelsen, SoS) sowie des Katastrophenmedizinischen Zentrums vertreten. Hier besteht Erfahrung in der Evakuierung ukrainischer Patienten zur Behandlung innerhalb der EU – unter anderem durch die nordische Svalbard-Gruppe.

Da Schweden als Gastgeber der Übung CAMO24 fungierte, ergab sich die Möglichkeit, den Anlass zusätzlich zu nutzen. Unter der Leitung der MSB, gemeinsam mit SoS und den Schwedischen Streitkräften, wurde am selben Ort eine Parallelübung geplant: die Nationale Seminarübung (Nationell Seminarieövning, NSÖ). Die Übung versammelte 60 schwedische Teilnehmer aus sektorverantwortlichen Behörden, Regionen, Länsstyrelser (Kreisbehörden) mit Zivilbereichen sowie Militärregionen. Dies war dank der guten Kontakte möglich, die zwischen den Behörden sowie durch zahlreiche Einzelinitiativen aufgebaut worden waren.

Die NSÖ diente als Unterstützung für die schwedische Zelle in CAMO24, hatte jedoch auch die Aufgabe, Entwicklungsbereiche für den Umgang mit nationalen und internationalen Patientenströmen zu identifizieren. Bei den Vorbereitungen befand auch Frankreich, dass dies eine gute Idee sei, und versammelte auf entsprechende Weise weitere Teilnehmer per Videoverbindung aus Paris.

Die Übung lieferte Impulse für notwendige künftige Verteidigungsplanung mit Schwerpunkt auf Rechtsfragen und Zugang. Darüber hinaus wurde eine Bestandsaufnahme der für die Zukunft erforderlichen Kapazitäten vorgenommen. Auch Führungsprinzipien, der Bedarf an infrastruktureller Redundanz, Schutz sowie Verdrängungseffekte wurden beleuchtet.

Bei einer ersten Auswertung der Übung wurde unter anderem festgestellt, dass mehr und übergreifendes Wissen über die zivil-militärische Zusammenarbeit und die nationalen Systeme einzelner Länder erforderlich ist. Dies gilt auch für die Funktionsweise von NATO und EU innerhalb der jeweiligen Organisation. Die Übung wurde zudem als wirksames Forum für Vernetzung, Lernen und Planung sowohl innerhalb als auch zwischen Ländern bewertet. Sie fördert Vertrauen und Zuversicht im Hinblick auf künftige Kooperationen.