Wenn Schwedens Gesamtverteidigung schneller wachsen soll als seit Generationen, stellt dies neue Anforderungen an die gesamte Gesellschaft. Das ist der Ausgangspunkt für die Totalförsvarsexpo 2026, die am 18. und 19. September Behörden, Industrie und Forschung im Zentrum von Lund (Südschweden) zusammenbringt. Hinter der Veranstaltung steht die Lunds Akademiska Officerssällskap (LAOS), ein Studentenverein, der die Kompetenzversorgung, Innovation und Verteidigungswillen unter Studierenden und der Öffentlichkeit in Lund stärken will. Die schwedischen Streitkräfte (Försvarsmakten) unterstützen die Durchführung, mit Saab und der Gemeinde Lund als Hauptsponsoren.

Die Messe besteht aus drei Teilen. In der Materialausstellung treffen militärische und zivile Verteidigung aufeinander: Kampfpanzer Stridsvagn 122, Kampffahrzeug Stridsfordon 90 und das Artilleriesystem Archer stehen Seite an Seite mit unter anderem Feldküchen, Notstromaggregaten und Nottrinkwassertanks. Auch Freiwilligenorganisationen sind vor Ort, um zu zeigen, wie Einzelpersonen zur Gesamtverteidigung beitragen können.

Die Podiumsgespräche befassen sich mit Themen wie Gesamtverteidigung in der Praxis, Verteidigungswillen, Innovation sowie den aufstrebenden Bereichen Weltraum und Cyber. Zu den Rednern gehören der Generaldirektor der Behörde für zivile Verteidigung (Myndigheten för civilt försvar), Mikael Frisell, der Chef des Verteidigungsstabs (Försvarsstaben), Carl-Johan Edström, der französische Botschafter Thierry Carlier sowie Landeshauptmann Peter Danielsson.

Der dritte Teil ist eine Karrieremesse, die sich an Studierende richtet. Zu den Ausstellern zählen unter anderem die öffentlichen Akteure Gemeinde Lund, Försvarsmakten, das Forschungsinstitut für Gesamtverteidigung (FOI), der schwedische Sicherheitsdienst Säpo und die Schwedische Materialverwaltung (FMV), private Unternehmen wie Saab, Knowit, W5 und Combitech, sowie Amyna, der Inkubator für Verteidigungsinnovation in Lund. Ziel ist es, die Bandbreite an Berufsrollen innerhalb der Gesamtverteidigung aufzuzeigen und zu verdeutlichen, dass es für Studierende unterschiedlicher Ausbildungshintergründe Zugangswege gibt.

Hintergrund der Initiative ist der rasche Ausbau der Gesamtverteidigung. Die Mittel für die militärische Verteidigung haben sich seit 2022 mehr als verdoppelt, während die zivile Verteidigung bis 2028 versiebenfacht werden soll. Diese Entwicklung schafft einen wachsenden Bedarf an Fachkräften, während gleichzeitig vielen Studierenden auf dem Weg ins Berufsleben ein klares Bild dafür fehlt, wie ihre zukünftigen Berufsrollen zur Gesamtverteidigung beitragen können.

Schwedens Nato-Mitgliedschaft verleiht dem Thema eine zusätzliche Dimension. Gemäß Artikel 3 des Nato-Vertrags verpflichtet sich jedes verbündete Land, seine eigene Widerstandsfähigkeit aufzubauen und aufrechtzuerhalten. Als Gastgeber- und Transitland für alliierte Verbände auf dem Weg nach Osten gewinnen schwedische Häfen, Eisenbahnen, das Gesundheitswesen und die Versorgung gleichzeitig an Bedeutung für die Bewegungsfreiheit des Bündnisses.

Für LAOS ist die Kompetenzversorgung daher ein zentraler Bestandteil der Totalförsvarsexpo. Die Kompetenzen, die für den Aufbau militärischer und ziviler Widerstandsfähigkeit benötigt werden, sind dieselben, um die der Verteidigungssektor mit der übrigen Wirtschaft konkurriert. Damit mehr Studierende erkennen, wie sie beitragen können, muss der Sektor sie bereits vor ihrer Berufswahl erreichen.

Teil der Gesamtverteidigung zu sein ist nicht dasselbe wie zu ihr beizutragen. Erst wenn der Einzelne versteht, wie der eigene Beitrag mit dem Ganzen zusammenhängt, entsteht echter Verteidigungswille, etwas, wozu die Totalförsvarsexpo in Lund beitragen wird.

Daniel Olsson, Bachelorstudiengang Systemwissenschaft, Reserveoffizier beim Regiment P7 sowie Vorstandsmitglied der Lunds Akademiska Officerssällskap.