Åsa Pettersson ist Geschäftsführerin von Energiföretagen Sverige (Energieunternehmen Schweden), einem Branchenverband, der knapp 400 Unternehmen vereint, die Energie produzieren, verteilen, verkaufen und speichern. In FSN Perspektiv fordert sie die Regierung auf, dafür zu sorgen, dass die Diskussion über den Betriebsschutz in Handlungen und konkrete Vorschläge übergeht.

In unserer unmittelbaren Nachbarschaft tobt ein Krieg, der nicht nur großes menschliches Leid verursacht, sondern auch die Energieinfrastruktur des Landes und den Alltag der ukrainischen Bevölkerung beeinträchtigt. Ohne funktionierende Strom- und Wärmeversorgung fallen alltägliche, aber absolut notwendige Funktionen weg, wie warmes Wasser aus dem Hahn und Licht im Heim. Ganz zu schweigen von all den modernen digitalen Funktionen, an die wir Menschen uns gewöhnt haben.

Die Infrastruktur des Energiesektors ist leider ein wiederkehrendes Ziel der Angriffe in der Ukraine geworden. In Schweden verfügen wir über 600.000 Kilometer Stromleitungen, mehr als 5.000 Kraftwerke und rund 500 Fernheizwerke, die bei einem möglichen bewaffneten Angriff zu Zielen werden könnten. Cyberangriffe erleben wir in unserem Land regelmäßig, und die Ukraine wurde davon bereits vor dem Krieg schwer getroffen.

Schweden hat ein abruptes Erwachen erlebt. Das Land ist der NATO beigetreten und steht vor einer historischen Entscheidung zum Gesamtverteidigungskonzept (Totalförsvar), verbunden mit einer Aufrüstung der militärischen und zivilen Verteidigung. Dies wird in einem Bericht des Verteidigungsausschusses (Försvarsberedningen) vom Beginn dieses Jahres beschrieben.

Krisenvorsorge und Gesamtverteidigung sind wichtige Elemente beim Schutz unseres Energiesystems und der Gesellschaft insgesamt. Angesichts zunehmender Bedrohungen und Risiken im internationalen Umfeld wird eine kontinuierliche und langfristige Arbeit immer bedeutsamer. Ein Teil davon ist der Vorschlag des Verteidigungsausschusses, eine moderne Entsprechung des früheren Betriebsschutzes (Driftvärn) zum Schutz und zur Bewachung gesellschaftlich wichtiger Infrastruktur, wie des Energiesystems, wiederzubeleben.

Während des Kalten Krieges und bis zum Jahr 2005 gab es einen solchen Betriebsschutz. Ein Teil der Heimwehr (Hemvärnet) war darauf ausgerichtet, wichtige Anlagen unter anderem in der Infrastruktur und Energieversorgung zu verteidigen. Eine modernisierte Version eines Betriebsschutzes könnte ein wichtiger Baustein beim Wiederaufbau der Widerstandsfähigkeit sein.

Energiföretagen Sverige ist zudem der Ansicht, dass Raum für einen "digitalen Betriebsschutz" besteht, um Cyberbedrohungen zu begegnen. Cybersicherheit ist ein Grundpfeiler eines digital ferngesteuerten und flexiblen Energiesystems sowie der modernen Zivilverteidigung.

Energiföretagen Sverige hat bereits zuvor die Wiedereinführung der Zivildienstpflicht begrüßt, die Schwedens Reparationsbereitschaft stärkt, insbesondere für die Stromversorgung sowie die Lagerung von Ausrüstung und Ressourcen.

Die Finanzierung, Entwicklung und Verwaltung der zivilen und militärischen Verteidigung Schwedens ist eine grundlegende staatliche Aufgabe. Regierung, Reichstag (Riksdag) und Behörden müssen ihre Planung anpassen und Prioritäten setzen, die auch die Voraussetzungen und den Nutzen privater Akteure in der Gesellschaft berücksichtigen. Wir in der Energiebranche können sowohl Wissen als auch Ressourcen einbringen, doch der Staat muss Finanzierung und Priorisierung sicherstellen.

Wir begrüßen den Ehrgeiz der Regierung, die zivile Verteidigung zu stärken, zu der wir in der Energiebranche einen Beitrag leisten. Die Regierung muss nun dafür sorgen, dass die Diskussion über den Betriebsschutz in Handlungen und konkrete Vorschläge übergeht.

Åsa Pettersson, Geschäftsführerin Energiföretagen Sverige