Das schnelle Wachstum des schwedischen Verteidigungsmarktes treibt den Arbeitskräftebedarf in die Höhe. Laut einem neuen Bericht der Sicherheits- und Verteidigungsunternehmen (Säkerhets- och försvarsföretagen, SOFF) muss die Branche in den kommenden Jahren möglicherweise rund 500 neue Mitarbeiter pro Monat rekrutieren.
Laut SOFF stieg der Gesamtumsatz der Mitgliedsunternehmen von 99,7 Milliarden schwedischen Kronen im Jahr 2024 auf rund 124 Milliarden schwedische Kronen im Jahr 2025. Im gleichen Zeitraum stieg die Zahl der Jahresarbeitskräfte von 28.416 auf etwa 33.650, was einem Zuwachs von gut 5.200 innerhalb eines Jahres entspricht.
Berücksichtigt man zusätzlich Ersatzrekrutierungen, Pensionierungen, interne Mobilität und die fortgesetzte Expansion, schätzt SOFF, dass der Rekrutierungsdruck bei rund 500 neuen Mitarbeitern pro Monat liegen könnte. Sollte sich das Wachstum entsprechend den Einschätzungen im Bericht fortsetzen, könnten die Mitgliedsunternehmen bis 2030 auf nahezu 50.000 Beschäftigte und 200 Milliarden schwedische Kronen Umsatz zusteuern. Dies würde laut Bericht innerhalb weniger Jahre rund 16.000 zusätzliche Personen in oder im Umfeld der Verteidigungsunternehmen bedeuten.
„Das Wachstum der Verteidigungsunternehmen ist grundsätzlich positiv für Schweden. Es geht um Arbeitsplätze, Technologie, Produktion und eine gestärkte Verteidigungsfähigkeit. Doch das Wachstum erfordert Mitarbeiter. Die Fachkräftesicherung ist daher nicht nur eine Personalfrage, sondern eine Frage der Verteidigungsfähigkeit", sagt Robert Limmergård, Generalsekretär von SOFF, in der Pressemitteilung der Organisation.
Die Mitgliederumfrage von SOFF zeigt zugleich, dass die Unternehmen den Fachkräftemangel als Hindernis für eine weitere Expansion betrachten. 59,1 Prozent nennen den Mangel an technischer Fachkompetenz als eine der größten Herausforderungen bei der Rekrutierung von Schlüsselkompetenzen, während 54,5 Prozent auf den hohen Wettbewerb um Arbeitskräfte hinweisen. Gleichzeitig geben 77,3 Prozent die steigende Nachfrage als eine der größten Chancen für die kommenden fünf Jahre an.
Der Bedarf betrifft laut Bericht deutlich mehr Berufsgruppen als nur Ingenieure. Zu den wiederkehrend genannten Kompetenzen zählen Systemingenieure, Softwareentwickler und Testingenieure, aber auch Monteure, Schweißer, Maschinenbediener, Qualitätsspezialisten, Projektleiter sowie Spezialisten für Sicherheitsschutz und Exportkontrolle. Von den gut 33.600 Jahresarbeitskräften in den Mitgliedsunternehmen verfügen 44,5 Prozent über eine ingenieurwissenschaftliche Ausbildung und 46,5 Prozent über einen Hochschulabschluss.
Der Bericht weist zudem auf Sicherheitsüberprüfungen als einen Faktor bei der Rekrutierung hin. 45,5 Prozent der befragten Unternehmen geben an, dass solche Verfahren die Rekrutierung stark beeinflussen, weitere 40,9 Prozent sagen, dies geschehe in gewissem Maße. Insgesamt entspricht das 86,4 Prozent der an der Umfrage beteiligten Unternehmen.
SOFF hebt zudem militärische Umweltkenntnisse als gefragte Kompetenz hervor. Erfahrungen etwa aus dem Wehrdienst, dem Heimwehr (Hemvärnet, die schwedische Heimwehr) oder freiwilligen Verteidigungsorganisationen können laut Bericht ein Verständnis für den Nutzer und die Bedingungen vermitteln, unter denen die Systeme funktionieren sollen.
„Wer für Verteidigungsunternehmen attraktiver werden möchte, kann in zwei Richtungen denken: technisches Wissen ausbauen und Erfahrung im Verteidigungsumfeld sammeln. Technisches Verständnis stärkt nahezu jede Rolle, auch für Juristen, Ökonomen oder Projektleiter. Erfahrung aus dem Wehrdienst, dem Hemvärnet oder freiwilligen Verteidigungsorganisationen vermittelt zugleich wichtiges Verständnis für den Nutzer und die Umgebung, in der die Technik funktionieren soll", sagt Robert Limmergård.

