In einer Pressemitteilung legt die Schwedische Behörde für Katastrophenschutz und Notfallplanung (MSB – Myndigheten för samhällsskydd och beredskap) heute zwei Regierungsaufträge vor, die für die weitere Entwicklung der Rolle des kommunalen Rettungsdienstes im Zivilschutz von großer Bedeutung sind. Der eine Auftrag beschreibt, wie der Rettungsdienst gestaltet sein muss, um die Herausforderungen bewältigen zu können, die ein Krieg auf schwedischem Boden mit sich bringen könnte. Der andere Auftrag betrifft die Aktivierung der Zivildienstpflicht zur personellen Verstärkung des kommunalen Rettungsdienstes.

Der kommunale Rettungsdienst ist heute hauptsächlich darauf ausgelegt, Unfälle in Friedenszeiten zu bewältigen, wie Brände, Verkehrsunfälle und Ertrinkungsunfälle. Im Kriegsfall werden deutlich mehr gleichzeitige Unglücksfälle auftreten, deren Ausmaß und Folgen häufig weit über das hinausgehen, was der Rettungsdienst im Friedensbetrieb gewohnt ist zu bewältigen. Dazu können unter anderem ausgedehnte Brände in Wohn- und Industriegebäuden, Such- und Rettungseinsätze in eingestürzten Gebäuden sowie der Umgang mit nicht explodierter Munition gehören. Derzeit verfügt der kommunale Rettungsdienst über begrenzte Erfahrung, Kenntnisse und Ausrüstung für derartige Einsätze.

Verdopplung der Personalstärke bei erhöhter Bereitschaft erforderlich

Der anhaltende Krieg in der Ukraine hat deutlich gezeigt, dass es notwendig ist, das eigene Personal und Material zu schützen sowie die Infrastruktur und den Betrieb durch Notstromversorgung, Kraftstoffreserven und Ersatzteile zu sichern.

– Um auf eine Situation mit erhöhter Bereitschaft vorbereitet zu sein und die Belastungen bewältigen zu können, die ein bewaffneter Angriff auf Schweden mit sich bringen könnte, sehen wir, dass die derzeitige Personalstärke von rund 16.000 voll- und teilzeitbeschäftigten Mitarbeitern im kommunalen Rettungsdienst verdoppelt werden muss, sagt Henrik Larsson, Leiter der Abteilung für Rettungsdienst bei Großschadensereignissen bei der MSB.

Neben der personellen Verstärkung besteht auch ein übergreifender Bedarf an persönlicher Schutzausrüstung sowie einer erheblichen Verstärkung der Ausrüstung, beispielsweise Detektionsgeräte und Hebeausrüstung für den Einsatz in eingestürzten Gebäuden.

Zivildienstpflichtige sind eine wichtige Ressource

Die Verdopplung des Personalvolumens soll in erster Linie durch eine wiedereingeführte Zivildienstpflicht erfolgen. In einer ersten Phase durch die direkte Einberufung von Personen mit einer früher abgeschlossenen Rettungsdienstausbildung, die derzeit nicht im kommunalen Rettungsdienst tätig sind. Ausgehend von Personen, die bereits über Kompetenzen durch Ausbildung oder Erfahrung für Aufgaben im Rettungsdienst verfügen, schätzt die MSB, dass den Kriegsorganisationen der Kommunen für den Rettungsdienst bereits innerhalb weniger Jahre zwischen 2.000 und 3.000 Personen zugeführt werden können. Langfristig soll die Versorgung durch Musterung und Einberufung zur Grundausbildung im Rettungsdienst erfolgen.

Das soll der Rettungsdienst bis 2033 leisten

Die MSB ist der Auffassung, dass der kommunale Rettungsdienst bis 2033 folgendes erreicht haben soll:
  • Fähigkeit zur Durchführung von Such- und Rettungseinsätzen, zum Umgang mit nicht explodierter Munition sowie zur Detektion und Dekontamination zum Schutz vor chemischen Kampfstoffen und Kernwaffen,
  • in jeder Kommune eine Notfallplanung mit einer Durchhaltefähigkeit von mindestens drei Monaten,
  • eine Personalstärke für erhöhte Bereitschaft von 32.000 Frauen und Männern erreicht,
  • Grundausbildung und Wiederholungsübungen für das gesamte Personal absolviert,
  • Fähigkeit, auf allen Führungsebenen bei gestörten Verhältnissen selbstständig zu handeln,
  • Verstärkung durch materielle Ressourcen und moderne Technik, angepasst an die Anforderungen des Krieges.
Um wirksame und koordinierte Rettungseinsätze bei erhöhter Bereitschaft und im äußersten Fall im Krieg zu gewährleisten, ist es darüber hinaus erforderlich, dass der kommunale Rettungsdienst gemeinsam mit den unmittelbar betroffenen Akteuren die Möglichkeit zur Planung, Ausbildung und Übung erhalten hat.

Wichtig, den Bedarf in der gesamten Gesellschaft zu ermitteln

Der Zivilschutz muss in allen Bereichen der Gesellschaft gestärkt werden. Die MSB hat der Regierung Unterlagen über den von ihr festgestellten Bedarf und die möglichen Kosten vorgelegt.

Die gesellschaftlichen Akteure müssen selbst ermitteln, wie ihre Tätigkeiten geplant werden müssen. Die MSB bietet öffentlichen Akteuren Hilfe und Orientierung bei der Arbeit an ihrer Kriegsorganisation und der Kriegseinplanung von Personal. In Kürze wird dasselbe auch für Wirtschaft und Zivilgesellschaft angeboten.

– Wenn den Vorschlägen in diesen beiden Auftragsberichten die Möglichkeit gegeben wird, umgesetzt zu werden, ist dies ein großer und wichtiger Schritt im laufenden Aufbau des schwedischen Zivilschutzes und ein direkter Beitrag zu einem stärkeren Gesamtverteidigungssystem (Totalförsvar), sagt Henrik Larsson von der MSB.