Norwegen richtet vier Forschungszentren für Quantentechnologie bei der Simula-Gruppe, der Universität Oslo und SINTEF ein. Den Projekten werden insgesamt 244 Millionen norwegische Kronen über einen Zeitraum von fünf Jahren zugewiesen.

Laut der norwegischen Regierung sollen die Zentren Forschung im Bereich Quantencomputing, Quantenkommunikation und Quantensensoren betreiben sowie zum Kompetenzaufbau und zur Zusammenarbeit mit Industrie und öffentlichem Sektor beitragen.

Die Forschungszentren sind Teil von Norwegens nationaler Quantentechnologie-Initiative. Die Regierung plant, in den kommenden fünf Jahren mindestens 1,1 Milliarden norwegische Kronen zu investieren. Die Initiative umfasst außerdem 100 neue Studienplätze im Bereich Quantentechnologie, eine künftige Strategie sowie Maßnahmen zum Schutz sicherheitsrelevanten Wissens.

Verteidigungsminister Tore O. Sandvik erklärt, dass Quantentechnologie die Grundlagen digitaler Kommunikation und Verteidigungssysteme beeinflussen könne, und bezeichnet die Initiative als strategische Investition in Norwegens Sicherheit. Die Geschäftsführerin des Forschungsrats (Forskningsrådet), Mari Sundli Tveit, betont die Bedeutung starker nationaler Forschungsumgebungen auf diesem Gebiet.

Jedes der vier Zentren erhält 61 Millionen norwegische Kronen über fünf Jahre im Rahmen von Norwegens nationaler Quantentechnologie-Initiative. Die vier neuen norwegischen Forschungszentren sollen fortgeschrittene Forschung in den Bereichen Quantensensoren, Quantensoftware, Quantencomputing und Quantenkommunikation betreiben. Die vier Zentren sind:

Senter for defektar i halvleiarar for kvantesensorikk

Das von Lasse Vines an der Universität Oslo geleitete Zentrum soll sich darauf konzentrieren, wie Defekte in Halbleitermaterialien zur Entwicklung von Quantensensoren genutzt werden können. Die Technologie wird als geeignet eingeschätzt, neue Möglichkeiten für Präzisionsmessungen, GPS-unabhängige Navigation und verbesserte Lageerfassung mit Relevanz für industrielle und verteidigungsbezogene Anwendungen zu eröffnen. An dem Projekt sind Forscher der Universität Oslo, SINTEF und des Norwegischen Verteidigungsforschungsinstituts (Forsvarets forskningsinstitutt, FFI) sowie internationale Kooperationspartner wie das Niels-Bohr-Institut, die Universität Süddänemark und die Universität Linköping (Südschweden) beteiligt.

Norwegian Quantum Software Center (NorQSoft)

Dieses Zentrum wird von Shaukat Ali am Simula Research Laboratory geleitet und bündelt Expertise in den Bereichen Quantenprogrammierung, KI und Optimierung. Der Schwerpunkt liegt auf der Entwicklung von Werkzeugen für den praktischen Einsatz von Quantencomputern in Sektoren wie Gesundheit, Energie und Industrie. Zu den Kooperationspartnern zählen OsloMet, SINTEF, DNV, das Krebsregister (Kreftregisteret) und Syngens. Der Zugang zu Quantencomputerressourcen wird durch die Zusammenarbeit mit Quantinuum, ORCA und europäischen Infrastrukturen wie LUMI-Q gesichert.

Centre for Quantum Computing and Applications (QSTAR)

QSTAR wird von Franz Fuchs bei SINTEF gemeinsam mit Ida-Marie Høyvik an der Norwegischen Universität für Wissenschaft und Technologie (NTNU) in Trondheim (Mittelnorwegen) geleitet. Die Forschung soll sich auf Quantenalgorithmen, Fehlerkorrektur und Software für Quantencomputer konzentrieren, mit besonderem Schwerpunkt auf Quantenchemie und Optimierung. Das Zentrum vereint Forscher von SINTEF, NTNU, der Universität Oslo, OsloMet und Simula. Kooperationen bestehen mit internationalen Akteuren wie QMATH in Kopenhagen (Dänemark) und RISE in Schweden. Zu den Industriepartnern zählen IBM Norge, Kongsberg Discovery, DNB, Statkraft, Statnett, Hydro, NSM und FFI.

Centre for Quantum Communication Networks and Applications (QCNA)

QCNA wird von Carlos Cid bei Simula UiB geleitet und soll Norwegens erstes experimentelles Testnetzwerk für Quantenkommunikation aufbauen. Das Projekt umfasst die Entwicklung von Quantenkryptographie, verteilten Anwendungen, fehlerkorrigierender Kodierung und Architekturen für das künftige Quanteninternet. In der Testumgebung kommen Telenors 5G-Infrastruktur sowie Ausrüstung von Toshiba zum Einsatz. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf dem Kompetenzaufbau durch Forschungsausbildung, Universitätskurse und branchenspezifische Programme. Zu den Partnern gehören SimulaMet, SINTEF Digital, NTNU, die Universität Aalborg (Norddänemark), das Okinawa Institute of Science and Technology, Telenor und Toshiba Europe.