Eine neue Forschungskooperation zwischen der Schwedischen Verteidigungsforschungsagentur (FOI – Totalförsvarets forskningsinstitut) und dem Schwedischen Nationalen Forensischen Zentrum (RMV – Rättsmedicinalverket) untersucht Wundkanäle aus tödlicher Schusswaffengewalt. Ziel ist es, forensische Methoden zu verbessern und zur Dimensionierung der medizinischen Versorgung in Kriegssituationen beizutragen.

– Für FOI sind wir sehr daran interessiert, die Waffenwirkung und die Schäden zu verstehen, die Projektile am menschlichen Körper verursachen. Dies gibt uns die Möglichkeit, unsere eigene Munition zu bewerten, aber auch die Munition eines Gegners, sagt David Andersson, Forscher in der Abteilung Waffen, Schutz und Sicherheit bei FOI, in einer Pressemitteilung von FOI.

Die Studie basiert auf der Dokumentation tödlicher Schusswaffengewalt in der Region Stockholm zwischen 2021 und 2024. Die Forscher haben 20 Wundkanäle aus zwei verschiedenen Munitionstypen analysiert: 9x19 mm und 7,62x39 mm. Die Dokumentation umfasst Röntgenbilder, Obduktionsprotokolle, Fotos und Tatortuntersuchungen, wobei alle personenbezogenen Daten anonymisiert wurden.

– Das sind die absolut häufigsten, die man sieht. 9 Millimeter ist eine Pistolenmunition. Der andere Munitionstyp ist Gewehrmunition, dieselbe, die bei der Jagd oder in militärischen Zusammenhängen verwendet wird, beispielsweise im Sturmkarabiner Kalaschnikow AK-47. Es handelt sich um eine gängige russische Munition, über die es wichtig ist, Kenntnisse zu haben, sagt David Andersson.

Die Forscher haben zudem 3D-Bilder der Wundkanäle erstellt, um die Schäden quantitativ zu vergleichen. Das Ziel war es zu untersuchen, ob verschiedene Schussverletzungen bestimmten Waffentypen zugeordnet werden können.

– Durch den Vergleich der Verletzungsbilder bei den verstorbenen Opfern möchten wir feststellen, ob sich anhand der Eigenschaften der Verletzung Rückschlüsse darauf ziehen lassen, ob eine Pistole oder ein Gewehr verwendet wurde, sagt Lydia Kahn, Rechtsmedizinerin beim RMV und Forscherin am Karolinska-Institut (Stockholm).

Die Ergebnisse zeigen bislang keine statistisch signifikanten Unterschiede zwischen den Verletzungen verschiedener Munitionstypen, doch planen die Forscher, die Studie mit weiteren Beobachtungen auszuweiten.

– Dies ist eine Pilotstudie mit wenigen Beobachtungen, und wir sehen Anzeichen dafür, dass es möglich wäre, Unterschiede mit mehr Beobachtungen nachzuweisen. Wir glauben, klinisch Unterschiede zu erkennen. Die Frage ist, wie wir am besten Modelle entwickeln können, die das sichtbar machen, was wir mit dem Auge sehen, sagt Lydia Kahn.

Die Zusammenarbeit zwischen FOI und RMV wird als ungewöhnlich beschrieben.

– Gemeinsam an einem solchen Datensatz mit gemeinsamen Fragestellungen zu arbeiten, würde ich auch im internationalen Vergleich als einzigartig bezeichnen, sagt David Andersson.