Russland und China haben ihre Aktivitäten gegen Norwegen in sozialen Medien verstärkt, wie ein neuer Bericht des Norwegischen Instituts für Verteidigungsforschung (Forsvarets forskningsinstitutt, FFI) zeigt. Die Analyse von 22 Millionen Beiträgen im Zusammenhang mit der Storting-Wahl 2025 soll belegen, dass das Informationsumfeld durch zunehmende Komplexität und mangelnde Transparenz geprägt ist.
Russische Akteure steigerten ihre Erwähnungen Norwegens um rund 55 Prozent im vergangenen Jahr, mit durchschnittlich 48 Beiträgen pro Tag, schreibt das FFI. Die Aktivitäten konzentrieren sich häufig darauf, die Unterstützung für die Ukraine zu untergraben und Norwegen als „russophobisch" darzustellen. Chinesische Akteure steigerten ihre Erwähnungen um 33 Prozent. Dem Bericht zufolge ist der deutlichste Trend ein Anstieg norwegischsprachiger Inhalte – von 6 Beiträgen im Vorjahreszeitraum auf 831 Beiträge in diesem Jahr.
Der Bericht wurde vom FFI in Zusammenarbeit mit Analyse & Tall sowie Common Consultancy erstellt. Die Datenbasis umfasst Beiträge von Facebook, X, TikTok und Telegram.
– Wir beobachten, dass die Einflussnahme im Netz und in sozialen Medien zunimmt und komplexer wird. Die mangelnde Transparenz der sozialen Medien macht es aufwändig und oft unmöglich herauszufinden, wer tatsächlich hinter der Manipulation der Meinungsbildung in Norwegen steckt, sagt Eskil Grendahl Sivertsen, leitender Berater beim FFI.
Zum ersten Mal haben die Forscher einen Einflussversuch identifiziert, der direkt mit der Durchführung der Wahl in Verbindung steht, so das FFI. Eine pro-russische Hackergruppe führte die Kampagne #OpNorway durch, die Aktivitäten in sozialen Medien mit Überlastungsangriffen (DDoS) auf unter anderem die Webseiten der konservativen Partei Høyre kurz vor der Wahl kombinierte. Die Einschätzung des FFI ist, dass die Aktion keinen Einfluss auf das Wahlergebnis hatte, jedoch den Willen signalisiert, demokratische Prozesse zu stören.
Der Bericht enthält zehn Fallstudien, die zeigen, wie ausländische Akteure vorgehen. Ein Beispiel ist, wie der Untergang des russischen Schiffes Ursa Major zu der Darstellung umgeschrieben wurde, Norwegen habe sich geweigert, russische Seeleute zu retten – ein Narrativ, das durch Dmitri Medwedew verbreitet wurde.
Chinesische Einflussnahme hat sich vorwiegend auf Reputationsaufbau konzentriert. Über die Facebook-Seite VIEW Norway und durch den Einsatz norwegischer Influencer versuchen staatliche Medien, ein positives Bild Chinas zu fördern. Gleichzeitig wurde ein anonymes Netzwerk auf TikTok identifiziert, das satirische Beiträge über Scharia-Gesetze verbreitete, um linke Parteien zu diskreditieren.
– Wir haben großes Vertrauen in Wahlen in Norwegen, und das müssen wir bewahren. Der Bericht liefert wichtiges Wissen über unerwünschte ausländische Einflussnahme, sagt Kommunal- und Regionalminister Bjørnar Skjæran.

