Ein neuer Bericht des norwegischen Verteidigungsforschungsinstituts (Forsvarets forskningsinstitutt, FFI) identifiziert Multidomänenoperationen (MDO) als entscheidendes Konzept zur Stärkung der militärischen Überlegenheit in zukünftigen Konflikten. Durch Simulation und Experimentierung soll Norwegen sich auf ein operatives Umfeld vorbereiten, in dem Land, Luft, See, Weltraum und Cyber zusammenwirken.

Laut FFI erfordert MDO, dass die Streitkräfte ihre Ressourcen nahtlos und gleichzeitig über alle Domänen hinweg nutzen können. Ziel ist es, durch koordinierte Einsätze lokale Überlegenheit in Zeit und Raum zu schaffen.

– Es geht nicht um die Summe der Streitkräfte innerhalb jeder Domäne, sondern darum, dass Einsätze in einer Domäne die Wirkung in anderen verstärken, sagt Per-Idar Evensen, leitender Forscher in der Abteilung Verteidigungssysteme des FFI, in der Pressemitteilung.

In dem Bericht Simulation of multi-domain operations for experimentation and analysis – requirements and available tools stellen die Forscher fest, dass die heutigen Werkzeuge nicht ausreichen, um die Zusammenhänge zwischen den Domänen zu modellieren. So können aktuelle Systeme zwar einzelne Domänen wie Luft oder See simulieren, verfügen jedoch nicht über die Funktionalität, um darzustellen, wie ein Cyberangriff die Sensoren eines Schiffes beeinflusst oder wie weltraumgestützte Systeme das Lagebewusstsein eines Soldaten verändern.

– Wir müssen Werkzeuge entwickeln, die in der Lage sind, Datenflüsse und Wirkungen in Echtzeit zu verarbeiten, insbesondere aus der Cyber- und Weltraumdomäne. Die menschliche Reaktionsfähigkeit ist hierfür wahrscheinlich nicht ausreichend, sagt Evensen.

MDO wird auch als Antwort auf das sogenannte „Stand-off"-Problem hervorgehoben – wenn ein Gegner versucht, eigene Kräfte ausserhalb des Wirkungsbereichs zu halten. Durch die Kombination von Cyber-, Weltraum-, Luft- und Bodenressourcen kann eine solche Sperrzone durchbrochen werden.

Der Bericht beschreibt zudem die wachsende Rolle von künstlicher Intelligenz (KI) und autonomen Systemen. Evensen betont jedoch, dass der Mensch weiterhin die Kontrolle über Entscheidungen über tödliche Gewalt behalten soll.

– Wir bewegen uns nicht in Richtung eines „automatischen Krieges". Die Technologie soll den Menschen unterstützen, nicht ersetzen, sagt er.

Das Ziel des FFI ist es, dass Norwegen Multidomänenoperationen leiten und daran teilnehmen sowie zur Entwicklung der NATO in diesem Bereich beitragen kann. Die Forscher heben dabei insbesondere Norwegens Stärken in der Sensortechnologie, der Informationsgewinnung und der Cyberkompetenz in anspruchsvollen Umgebungen hervor.

– Wir bauen Erfahrung und Technologie auf, die dafür sorgen, dass MDO vom Forschungsfeld zur Verteidigungsrealität wird, sagt Evensen.